Der Märchenbrunnen

Ihr findet ihn im Volkspark Friedrichshain und im Winter ist er auch ordentlich eingepackt, also theoretisch nicht so schön anzusehen. Finde ich gar nicht. Die Architektur ist auch zu dieser Jahreszeit traumhaft und die Geschichten und Märchen finden bei mir eh im Kopf statt, da reicht ein Zweig der sich im Wind wiegt.

Die Kästen vorm fürstlichen Tore sind zwar etwas aus der Zeit gefallen aber egal, ich stelle mir vor, dass dort drin die Seeungeheuer wohnen und man im Sommer ständig der Gefahr ausgesetzt ist in ihre hungrigen Mäuler zu geraten. Im Winter dagegen sind sie eingesperrt in ihre Höhlen weil der ätzende Berliner Frost sie dermaßen mit den Zähnen klappern lässt, dass die zu großen Köpfe von den schlanken Hälsen fallen. Hihi, ich hab an eines der Kästen geklopft, ist keins raus gekommen. Ich kann mir das erlauben, der Elfenkönig beschütz mich.

Der Bogen ist schon gigantisch, im Winter kann man ganz nah heran und die Steine begucken. Auch Steine erzählen Geschichten und früher war da ganz schön was los in dem Park. Mit früher meine ich 1913, da wurde der Brunnen eingeweiht, natürlich wurde vorher jahrelang darum gestritten, was sonst.

Es gibt überall kleine Figuren, die ihrerseits wieder Geschichten erzählen, nehmt euch also Zeit wenn ihr den Brunnen besucht. Ab Frühjahr kann man dann auch die Märchenfiguren wieder begucken, ich verrate euch jetzt nicht welche Märchen, guckt selbst.

An diesem wasserlosen Tag war ich mit meiner Tochter unterwegs, Mutter Tochtergespräche, da sind schnatternde Steine eh eher im Weg. Daher haben wir uns in das parkeigene Café gesetzt, die Speisekarte ist übrigens vom Feinsten, und einen noblen Kuchen genossen nebst leckerem Milchkaffee.

Der Park bietet natürlich auch körperliche Betüchtigung, Steigungen, Treppen und lange gewundene Wege. Unter dem Café liegt ein Teich, der gerade renoviert wird, dafür mussten die Fische auf Staatskosten in Ersatzwohnungen umziehen. Ihr Hab und Gut, unter anderem ein rostiges Fahrrad wurde kurzerhand auf den Müll geworfen.

Das schwindende Tageslicht verhinderte weitere Parkbilder genauso wie die Ausdehnung unseres Spaziergangs und so tauchten wir wieder in das normal hektische neonbeleuchtete Leben Berlins ein. Vom Neobarock in die Neon Neuzeit sozusagen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s