Wie war das mit den Ängsten Tina, Teil 2

Die Reise zu mir, ein Bericht wie ich auf dem Weg der Heilung voran kam.

Schließlich erreichte ich einen Punkt, an dem ich in ein tiefes Tal stürzte. Ich hatte Ängste gefunden, einige auch gelöst und dennoch, sie zeigten sich wieder und wieder. Ich kam mir vor wie im Moor gefangen, strampelte ich, ging ich unter, tat ich nichts, ging ich auch unter. Was machte ich falsch?

Ich entschied mich einfach gegen eine Brücke zu fahren, der Brücke würde es nichts tun.

Es war ein Sonntag, natürlich, ich musste mal wieder arbeiten. Mein Chef hatte große Zusagen gemacht und dabei übersehen, dass meine Kollegin seit Monaten krank war und ich alleine alles weg schufften musste. Irgendwann kam er und erklärte, dass unser, lach, klar unser Urlaub erst einmal gestrichen war und er erwartete von uns, wen meinte er nur mit uns, das wir rund um die Uhr bereit stünden. Das ging jetzt schon zwei Wochen so. Anfangs war ein Kollege bereit mich zu unterstützen, aber der brach nach zwei Tagen zusammen und erklärte das Projekt sei nichts für ihn. Gut, ich nahm es locker, ich machte doch eh alles mit Links. Arbeitete ich eben etwas mehr.

Ich musste mit einem Mann zusammen arbeiten, aus einer Fremdfirma welche die eigentliche Arbeit machte. Auf mich kam nur das Organisieren, das Überwachen und der Bürokram zu. Bis zu diesem Sonntag war mir das Projekt völlig egal und ich hatte schlampig ein wenig beigetragen. Es hatte mich genervt und der Typ erst recht. Mein Chef war mir noch viel mehr egal, denn ich wusste, er würde sich eh nicht mehr dafür interessieren, er war schon zur nächsten Blume weiter geflattert und machte wiederum Zusagen.

Da irgendwie nichts vorwärts ging in meinem Leben und ich dennoch brav aufgestanden war und los fuhr, raste ich wie eine Verrückte über die Landstraße. Als diese zweispurig wurde tauchte neben mir ein Porsche auf, der Fahrer grinste und hängte mich an der Ampel ab. An der nächsten war ich schlauer, dachte ich. Ich ließ ihn locker hinter mir, kurz darauf winkte mich die Polizei raus. Ich benahm mich wie immer, unmöglich und fragte ob ich in Naturalien bezahlen dürfe, was mir noch eine Anzeige wegen Beleidigung einbrachte. Ich antwortete er solle sich damit dem Arsch wischen ich brauche sie eh nicht mehr, denn mein Ziel war ja eine Brücke, dummerweise wusste ich nicht welche und auf der anderen Seite meiner Schulter saß die kleine weiße Elfe, die brav und anständig auf mich einredete ich käme zu spät zur Arbeit. In mir aber machte sich mehr und mehr Wut breit. Ich fluchte die ganze Fahrt über auf den Porschefahrer, meinen Chef, das Leben, die Scheiß B…en. Dazu kam noch, der Typ, mit dem ich bisher gearbeitet hatte kam heute nicht, er war im Urlaub…tzzzz, selbst der bekam Urlaub. Dafür sollte ein anderer Typ erscheinen, der auch ganz okay ist. Also fluchte ich auf den blöden blöden Typen der tatsächlich einen Tag früher aus dem Urlaub zurück kam, um zu arbeiten, wie konnte man nur so blöd sein. Ohne ihn hätte ich nicht arbeiten müssen, die Bu..en nicht getroffen, den Porschefahrer auch nicht und mich ganz gemütlich im Bett nach einer Brücke umsehen können. Aber der Streber musste ja Arbeiten, freiwillig, am Sonntag.

Ich weiß nicht, wie mein Auto zur Arbeit gefunden hatte, ich sag euch, alle Dinge haben eine Seele. Jedenfalls stand ich Punkt Acht an der Straße und wartete auf den Firmenwagen. Wer kam nicht? Es war fünf nach Acht, es war zehn nach Acht. Kann man vor Wut platzen? Gibt es solche Fälle schon? Ist da was dokumentiert?

Zehn nach Acht erschien ein Fahrzeug der Firma am Horizont und zwölf nach Acht waren die vorigen drei Fragen das Unwichtigste in meinem Leben, die Brücke auch. Er, der blöde Typ, saß in seinem LKW und blickte zu mir runter, ich hielt mich am Fahrzeug fest um meine Standfestigkeit nicht gänzlich zu verlieren denn meine Knie schienen nicht mehr zu wissen was ihre eigentliche Funktion war und die Beine taten es ihnen gleich. Solchen Ungehorsam hatte ich noch nie erlebt und auch nicht diese Gefühle die in mir Dinge anstellten die ich nicht kannte. Alleine wenn der Typ mich ansah und dazu grinste er noch als wüsste er genau Bescheid. Die weiße Elfe grinste auch, ich hatte sie noch nie grinsen sehen. Alle schwiegen und grinsten nur und ich, ich konnte nichts sagen weil mir nichts einfiel, das hatte es auch noch nie gegeben.

Und so arbeiteten wir zusammen, drei Monate lang, tagtäglich mit Gesprächen bis in die Nacht in denen wir erkannten, dass wir uns schon ewig kennen und uns so vertraut sind wie ein uraltes Ehepaar. Diese Stunden waren das Paradies und die Zeit ohne ihn die Hölle. Ich dachte überhaupt nicht an ein Ende. Es kam plötzlich. Unsere Chefs zogen uns ab.

Der letzte Tag verstrich ohne das Einer von uns auch nur ein Wort sprach. Dann, es regnete wie ich es noch nie gesehen hatte, es war dunkel und stürmisch und ich musste aus diesem LKW aussteigen, die Tür stand schon offen. Die weiße Elfe in mir hüpfte wie verrückt auf und ab und schrie mir etwas entgegen, ich hörte es nicht. Ich sah ihn an, er starte über das Lenkrad geradeaus in den Regen. Unsere Herzen waren verschlossen. Später erkannte ich, dass es die Minute der Entscheidung gewesen war, meiner Entscheidung. Ich aber sperrte all meine Gefühle in einen Turm tief in meinem Inneren und sagte, es war schön mit dir und ging, ich ging, ich bin wirklich gegangen. Er fuhr los und ich war froh, dass es regnete, denn genauso liefen meine Tränen. Ich saß eine Stunde im Auto und tat nichts, außer meine Tränen zu beobachten. Dann fuhr ich nach Hause.

Was wäre gewesen wenn ich die Tür einfach wieder geschlossen hätte, wenn ich stattdessen mein Herz geöffnet und seine Hand genommen hätte? Vorbei.

 

Wie es weiter ging lest ihr im nächsten, Die Reise zu mir Artikel, sonst wird es hier zu lang.

Wenn ihr Begleitung möchtet auf eurem Weg, unter dem Menüpunkt Coaching findet ihr meine Angebote.

Vielen Dank für’s Lesen und ich freu mich auch über Kommentare, Likes und Anregungen. Alles Liebe

Eure Tina

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